Lob des Müßiggangs

Pause im Park

Die Wirtschaft liegt am Boden. Seit Jahren schon. Die Lösung des Problems, die uns von regierenden Politikern vorgeschlagen wird: Wir müssen mehr arbeiten.
Oje. Als Ursache der Flaute hatte ein Flügel der CDU die Arbeitsunwilligkeit der Deutschen ausgemacht.
Wenn wir mehr arbeiten, produzieren wir mehr, das ist schon richtig. Aber werden deswegen auch mehr Leute diese Produkte kaufen? Oder werden bei Mehrproduktion bei gleichbleibender Nachfrage nach der Überproduktion die Preise sinken, gleichzeitig die zusätzlichen Lagerkosten die Firmen belasten und so wie ein Bumerang die schöne Allzwecklösung zur Wirtschaftsbelebung ad absurdum führen?
Nur mal so in die Runde der mitlesenden Politiker gefragt. Gibt es wirklich diese weltweite Nachfrage nach deutschen Produkten, die wir aus Gründen der Faulheit einfach nicht bedienen können, und geht es deshalb der deutschen Wirtschaft so schlecht?
Tatsächlich ist die Idee, mehr zu arbeiten, in mehreren Hinsichten kurzsichtig, ja kontraproduktiv. Sie erinnert ein wenig an die frühkapitalistische Zeit, als es hieß, man muss die Arbeiter ordentlich an die Kandare nehmen, dann kommen sie nicht auf dumme Gedanken.
Hand hoch, wer sich an die Eureka Geschichte erinnert.
Zugegeben, die Geschichte ist wahrscheinlich erfunden, dennoch hielt man sie lange Zeit für wahr, und warum sollte sie es nicht sein? Dergleichen Erlebnisse und Phänomene werden von überall berichtet. In der hier gemeinten wurde Archimedes von König Hieron aufgetragen, festzustellen, ob seine Krone tatsächlich aus purem Gold bestand oder der Goldschmied einen Teil des Goldes durch Silber ersetzt hatte. Die Krone einzuschmelzen und neu zu schmieden war jedoch keine Option, da das Schmuckstück bereits den Göttern geweiht war.

Archimedes in Badewanne


Die Lösung des Rätsels erkannte Archimedes vermittels eines Geistesblitzes, den er in der Badewanne hatte. Es fiel ihm auf, dass sein Körper Wasser verdrängte, so dass es über den Rand aus der Wanne floss. Wie die Legende sagt, soll Archimedes ob seiner genialen Eingebung vor Freude aus der Wanne gesprungen und nackt nach Hause gerannt sein, laut »Heureka, heureka« schreiend, was »Ich hab‘s gefunden!« bedeutet.
Die Lösung war das Archimedes-Gesetz. Nach diesem Gesetz verdrängen Objekte aus dem gleichen Material und mit dem gleichen Gewicht auch die gleiche Menge Wasser. Archimedes musste also einen Goldklumpen finden, der genauso schwer ist wie die Krone. Wenn der Goldklumpen weniger Wasser verdrängt hätte als die Krone, wäre der Krone Material hinzugefügt worden und es hätte sich um Betrug gehandelt. Und wie sich herausstellte, hat der Goldklumpen tatsächlich weniger Wasser verdrängt und der Goldschmied hat uns also angelogen.
Eine vergleichbare Geschichte dreht sich um die Entdeckung des Benzolrings durch den deutschen Chemiker Friedrich August Kekulé.

In einer Rede anlässlich des 25-jährigen Jubiläums berichtet er
„Ich drehte den Stuhl nach dem Kamin und versank in Halbschlaf. Wieder gaukelten die Atome vor meinen Augen. Kleinere Gruppen hielten sich diesmal bescheiden im Hintergrund. Mein geistiges Auge, durch wiederholte Gesichte ähnlicher Art geschärft, unterschied jetzt grössere Gebilde von mannigfacher Gestaltung. Lange Reihen, vielfach dichter zusammengefügt; Alles in Bewegung, schlangenartig sich windend und drehend. Und siehe, was war das? Eine der Schlangen erfasste den eigenen Schwanz und höhnisch wirbelte das Gebilde vor meinen Augen. Wie durch einen Blitzstrahl erwachte ich; auch diesmal verbrachte ich den Rest der Nacht um die Consequenzen der Hypothese auszuarbeiten.“
Diese Erkenntnis wäre ihm vermutlich bei mehr Arbeit, mehr Anstrengung, mehr Stress nicht, oder wenigstens nicht so schnell gekommen. Was er wohl vom Begriff der Lifestyle-Teilzeit der Vorsitzenden der CDU Mittelstandsunion Gitta Connemann gehalten hätte?
Wenn es um schlaue Gedanken geht, scheint demnach weniger Arbeit schnellere und bessere Ergebnisse zu liefern. Lässt sich das irgendwie wissenschaftlich untermauern? Es lässt.
In den Jahren 2015 bis 2019 untersuchte man die Auswirkungen einer kürzeren Wochenarbeitszeit auf immerhin 1% der arbeitenden Bevölkerung Islands. Es nahmen 2500 Arbeitende aus allen möglichen Branchen an dieser Studie teil und schalten auf eine 35 oder 36 Stundenwoche herunter. Ihre Produktivität blieb dabei gleich oder stieg sogar. Hier führte also die Reduktion der Arbeitszeit besseren Ergebnissen. Gleichzeitig besserte sich die allgemeine Stimmungslage und der Gesundheitszustand der Probanden, was die krankheitsbedingten Ausfallzeiten zurückgehen ließ und damit die Kosten für ärztliche Behandlungen senkte. Weiterhin gingen durch die Arbeitszeitverkürzung Energie-, Bürobedarfs- und andere Kosten zurück, was die Wirtschaft weiter entlastete. Inzwischen arbeiten in Island 86% der Bevölkerung bei gleichem Lohn kürzer, ohne dass dies der Volkswirtschaft geschadet hätte, weil effizienter.
Vergleichbare Studien wurden anschließend in Spanien und Neuseeland durchgeführt. 20% weniger Arbeit bei gleichem Lohn scheint, auch wenn es auf den ersten Blick kaum einleuchtet, allen zu helfen, den Arbeitenden und der Ökonomie.
Die Idee hinter dem diskriminierenden Begriff Lifestyle-Teilzeit könnte nach alledem das Resultat von zu viel Arbeit sein. Einer dieser dummen Gedanken, die durch Mehrarbeit doch eigentlich eingedämmt werden sollten.

Das Konzept „weniger ist mehr“ ist leider noch nicht allen geläufig.

Studien zeigen, dass Mobbing am Arbeitsplatz die Wirtschaft stark schädigt. Die Gründe dafür sind: mehr Fehltage, weniger Produktivität und Kosten für neue Mitarbeiter. Eine Herabsetzung der arbeitenden Bevölkerung durch abwertende Begriffe wie „Lifestyle-Teilzeit“ schadet der Wirtschaft durch Entmutigung der Arbeitenden und vermindert Effizienz in den Arbeitsabläufen. Führt also genau zu dem, was sie doch verhindern möchten.

Schreibt einer, in dessen Land Niederlande etwa 10% mehr Leute Teilzeit arbeiten als in Deutschland und trotzdem eine solche Diskussion undenkbar ist. Oder vielleicht gerade deshalb?

Die Liebe konservieren

Handschrift

Nein, damit ist nicht gemeint, sie ins Kühlfach zu legen. Sondern sie zu beleben, erhalten und regelmäßig wieder zum Aufblühen bringen.
Das Aufschreiben macht die Gefühle bewusst. Wenn man sie erst benennen kann, werden sie dauerhafter. Leider gilt das nicht für Emails oder SMS oder Whatsapps. Das hängt mit der Speicherung der Handlung zusammen. Egal welchen Buchstaben ich eintippe – es ist ein Tippen mit den Fingerspitzen, jeder Buchstabe gleich. Eine Aktion, ein Neuron, ganz gleich, was ich schreibe. Die Wirkung einer getippten Liebeserklärung geht so tief wie die einer getippten Steuererklärung. Lohnenswert also, seine Steuererklärungen nicht von Hand auszufüllen, sondern am Computer. Es reduziert die emotionale Belastung.
Jeder Buchstabe hingegen hat seine eigene Form, seinen eigenen Schwung, jeder ist für sich gespeichert so wie jedes Wort, jede Melodie, jede Bekundung. Es wirkt sich auf den eigenen Steuerapparat im Hirn anders aus, wenn wir einen Stift halten und über Papier gleiten lassen, als wenn wir Tasten anschlagen. Der Ausdruck der Liebe manifestiert sich in schwingender Bewegung, nicht gleichförmigem Klicken.

Der Verzicht auf die Schreibschrift bringt nicht nur das Ende der persönlichen Handschrift, sondern auch die Verflachung des Ausdrucks. Das ist entscheidend, denn die größte Wirkung erzielt der Liebesbrief bei der- oder demjenigen, welche/r ihn verfasst.
Schreiben macht Gefühle bewusst, man benennt sie, dadurch werden sie dauerhafter.
Man hat es nachgeprüft, gab Studenten die Aufgabe, an drei aufeinanderfolgenden Tagen je einen Liebesbrief an den/die damalige Partner/in zu schreiben. Die Vergleichsgruppe schrieb etwas anderes, weniger emotionales.
Raten Sie, wessen Beziehungen länger hielten.

Einheit vs. Zwist

Risse zeigen sich bei Paaren, in Familien und im Freundeskreis. Der eine kann den anderen nicht mehr ertragen, und dafür kann es nur eine Erklärung geben: er muss böse sein. Die guten alten „Wir gegen die“ und „Gut gegen Böse“ deuten aber vor allem auf eins: Mangel an Differenzierung – womöglich gar nicht allein des Willens sondern des Vermögens dazu. Die Erklärung dafür ist ganz simpel: hochgeschaukelte Gefühle der Empörung und Ablehnung sind Stresszeichen, und Stress verändert die Körperphysiologie inklusive der Umleitung des Blutstroms vom Gehirn zu den Muskeln. Wer gestresst ist, will lieber kämpfen als nachdenken. Er kann gar nicht anders, denn die Blutzufuhr zum „Denkhirn“, dem Frontallappen, ist ja abgeschnitten.

Frontallappen des Gehirns

Wer in einem lichten Augenblick dann doch zur Erkenntnis kommt, dass wir gemeinsam stark sind und zerstritten leicht zu besiegen, sollte dies auch umsetzen, wenn er es für wertvoll genug findet, dafür etwas zu tun.
Im Alltag bieten sich viele Gelegenheiten, die man nur wahrnehmen muss. Ich möchte von zwei persönlichen Ereignissen berichten, die ich bei Kursen erlebt habe.
Die Aufgabe für uns Azubis in Tanzpädagogik war es, eine Art wortlose Kommunikation mit einem Partner zu führen. Person A sollte zur Musik eine spontane selbstgewählte Bewegung machen, die Person B spiegeln sollte. Sagen wir, ein Winken mit einer Hand. Person B sollte das nachmachen und darauf mit einer eigenen Bewegung antworten. Vielleicht mit einer Drehung um sich selbst, worauf Person A wiederum mit einem Schütteln eines Fußes antwortete. Auf diese Weise entsteht ein tänzerisches Wechselspiel, während dessen man sich einander mehr und mehr anzupassen beginnt. Man „ahnt“ irgendwie schon, was der Partner als Nächstes tun wird. Die Spiegelneuronen feuern, und die kleinen Verzögerungen zwischen dem Erkennen der Bewegung und ihrer eigenen Ausführung werden immer kürzer. Es entwickelt sich eine Synchronität, alles spielt sich beinahe gleichzeitig ab. Und auch wenn man nicht – zumindest nicht bewusst – weiß, was die Gesten und Moves nun bedeuten, bekommt man ein feines Gespür für sein Gegenüber und fühlt sich mehr und mehr mit ihm verbunden.
Der Tanz war nur kurz, keine fünf Minuten lang, doch als die Musik stoppte, hatten wir beide das Gefühl, abrupt und gegen unseren Willen voneinander getrennt zu werden. Dank der Ausschaltung der Gedankentätigkeit durch die volle Konzentration auf den Körper war es uns möglich gewesen, uns anzunähern, zu begreifen und ein Gefühl der Einheit entstehen zu lassen. Was wir genau getan hatten, spielte keine Rolle, was es uns hat erleben lassen, war tief beeindruckend.

Tänzerinnen in Synchronität

Etwas später erlebte ich dasselbe Phänomen in einer Gruppe. Glücklicherweise war sie sehr homogen, auch wenn die Menschen sehr unterschiedlich waren, jung und alt, aus den verschiedensten Berufen, mit unterschiedlicher Motivation, doch alle waren gekommen, um Entspannung zu lernen. Das funktionierte so gut, dass selbst der eine Außenseiter nicht zum Störfaktor, sondern integriert wurde.
Nach ein paar Wochen sind bestimmte Strukturen etabliert. Jeder weiß, es beginnt mit Begrüßung und einer kleinen Gesprächsrunde, es folgt die Erklärung der neuen Aufgabe, sie wird geübt und besprochen, und zum Abschluss machen wir eine etwas längere Tiefenentspannung. Solche wiederholten Abfolgen werden zu Ritualen, führen zu einer Einstimmung der Teilnehmer, und viele freuen sich schon auf die jeweilige Abschlussübung des Abends. Psychologisch kommt der Effekt des „Priming“ zur Wirkung, d.h. man ist vorbereitet und reagiert schon gewohnheitsmäßig mit einer „vorauseilenden“ Entspannung, bevor die Übung überhaupt beginnt. Das macht es einem Kursleiter natürlich leicht.
An einem der letzten Abende war die Gruppe so eingespielt, dass ich kaum noch Anweisungen geben musste, sie machten es quasi selbstständig, und das war natürlich das Ziel des Kurses. Doch dieses Mal nahm mich die Wirkung der Übung selbst mit. Ich erlebte es zum ersten Mal, dass ein gutes Dutzend Menschen in einer tiefen Entspannung synchron atmete. Das war ein tief berührender Augenblick, und ich werde ihn nie vergessen, auch wenn ich Ähnliches später noch öfter erleben sollte. Die Stille, der Einklang, der Frieden – das ist schwer zu beschreiben.

Gemeinsam sind wir stark

Das Gefühl des Einsseins mit einer einzelnen Person oder einer ganzen Gruppe von Menschen löst Disharmonie und Zwist auf. Nein, strittige Dinge werden nicht notwendigerweise gleich ausdiskutiert. Auch in Friedenszeiten sollte man sich hüten, mit Sprengstoff zu hantieren, dazu sollte das Verhältnis schon gefestigt sein, so dass man auch heikle Themen ansprechen kann. Ganz sicher aber ist es hilfreich, einen tragfähigen Frieden herzustellen, um die Erfahrung der Einheit für die Aufarbeitung strittiger Angelegenheiten zu nutzen. Welche Zeit wäre wohl besser geeignet?
Eine solche Erfahrung lässt sich jedoch bereits verbunden fühlen und Gegensätze als weniger heftig empfinden. Sie weckt den Wunsch, eine gemeinsame Lösung zu finden.
Deshalb denke ich, sollten viel mehr Menschen immer häufiger solche Erlebnisse haben. Es wird nicht nur die Welt zu einem friedlicheren Ort, es wird auch die Einzelnen glücklicher, resilient und hoffnungsvoll machen.
Im Laufe des Aufbaus dieser Webseite werde ich Ihnen Hilfsmittel dafür anbieten, z.B. geleitete Meditationen oder auch Tanztracks, die Sie hoffentlich nutzen werden. Ich hoffe, Sie machen mit und haben ein wenig Freude daran.

Zwist vs. Einheit

Strassenkampf

Die Welt zerreißt, so scheint es. Die Gräben zwischen den Menschen werden tiefer, Aggressionen lodern auf, und Probleme werden nicht gelöst, sondern für nicht-existent erklärt oder verboten. Man feiert nicht das Miteinander und gemeinsame Errungenschaften, sondern sucht das Heil in Polarisierung.
„Wir schaffen das“ wurde angefeindet, Einsatz und Mut wurden unattraktiv, Opfertum zum positiven Alleinstellungsmerkmal der geistig und biologisch Überlegenen erklärt. „The fundamental weakness of Western Society is empathy“ diagnostiziert Elon Musk, ohne den notwendigen Widerspruch zu erfahren.
Gut gegen böse, wir gegen die – das basiert auf alten, womöglich genetisch vorprogrammierten menschlichen Überzeugungen, die sich in den Anfangstagen der Menschheit augenscheinlich als hilfreich erwiesen haben. In einer feindlichen Umwelt stellte jeder Fremde eine potentielle Gefahr dar.

Aber Vorsicht ist etwas anderes als Feindschaft. Die ist eine angelernte Haltung. Jedes Baby schaut zuerst nach der Reaktion seiner Mutter, wenn ein Fremder das Haus betritt. Lächelt Mama, zeigt keine Zeichen von Angst und bittet den Unbekannten herein, bleibt auch das Baby ruhig. Häufen sich derartige Ereignisse, entwickelt das Kind eine positive Einstellung zu den Mitmenschen. Leidet Mama aber beispielsweise an einer Angststörung, ist das Baby nicht in der Lage zu unterscheiden, ob die sich ihm mitteilende Veränderung der Stimme, der Atmung und des Herzschlags der Mutter deren individuelles Problem repräsentiert oder eine allgemeingültige Wahrheit über das Verhältnis der Menschen untereinander lehrt. Es lernt Letzteres.
Insofern irrt Elon Musk. Eine freundliche Grundeinstellung, die sich in Einfühlungsvermögen äußert, ist eine fundamentale Stärke des Menschen, die das Leben nicht nur vereinfacht, sondern auch angenehmer macht.

Mutter und Baby

Aus einem zweiten Grund liegt er falsch. Das Lesen der Emotionen anderer gehört zur Grundausstattung des Menschen. Organisiert wird es durch Spiegelneuronen, die Gefühlsäußerungen des Gegenüber innerlich miterleben und dadurch verstehen lassen. Schon Babys erkennen aus kleinsten Veränderungen der Gesichtszüge ihrer Eltern, ob Ruhe oder Unruhe angesagt ist, und reagiert entsprechend. Freundliche beruhigende Worte, die aus angespannter Kiefermuskulatur herausgepresst werden und mit starrem Gesichtsausdruck übermittelt werden, können kein Baby täuschen, weshalb sie sich oft nicht zur Ruhe bringen lassen, weil die inkongruenten Maßnahmen nicht überzeugen. Fragen Sie Eltern, wie gut es ihnen gelingt, ihre schreienden Kinder in den Schlaf zu wiegen, wenn sie gestresst und nervös sind.
Ohne die Funktion der Spiegelneuronen wäre es Babys ganz und gar unmöglich, die Gefühlslage ihrer Eltern zu erkennen. Sie würden freundliche Gesichter, warmherzige Stimmen und liebevolle Gesten als neutral und nichtssagend auffassen – und trotz Liebe und Zusammengehörigkeit vereinsamen.
Grausame Experimente im Mittelalter, in denen Neugeborene jegliche Zuwendung in Form von Berührung, Worten, Liedern und liebevoller Anregung aller Art vorenthalten wurde, um herauszufinden, wie sie sich unbeeinflusst und vermeintlich neutral entwickeln würden, scheiterten tragisch: die Kinder entwickelten sich gar nicht. Sie starben. Ähnlich finstere Folgen konnte man bei den verwahrlosten Kindern in den befreiten Kinderheimen Rumäniens nach dem Fall der Ceausescu Diktatur in Rumänen beobachten. Durch emotionale Vernachlässigung verursachte Entwicklungsschäden lassen sich oft auch dann nicht mehr gutmachen, wenn man die Kinder fortan nicht mehr nur mit Essen und Kleidung, sondern ebenso mit Zuwendung in Gemeinschaft liebevoller Menschen versorgt.
Natürlich kann man auch später im Leben schlechte Erfahrungen machen, die einen veranlassen, Empathie nicht nur negativ zu finden, sondern sie innerlich zu betäuben, eine Form des Gefahrenschutzes, wenn man missbraucht und betrogen wurde. Es führt aber zu einer allgemeinen Abstumpfung und damit zu einer generellen Einschränkung der Lebensqualität.

Heute verwendet man den Begriff „Soziopath“ als Definition für Menschen, die entweder nicht oder nur eingeschränkt Mitgefühl zeigen können und sich nur schwer in andere hineinversetzen und die Folgen ihres Handelns nicht abwägen können.
Um der innerlichen Betäubung zu entgehen, muss man sich seiner Empathie besinnen, seine Wahrnehmung der Welt erweitern, nicht einschränken.
Dazu gehört nicht nur ein abstraktes Wissen der Einheit der Menschen, sondern eine direkten Erfahrung. Was meditierende Buddhisten anstreben und in Augenblicken dessen, was sie „Erwachen“ nennen, erleben, ist die Erfahrung des Einsseins mit allem, die Aufhebung der Abspaltung zwischen dem, was man denkt, und dem, was ist. Es geht einher mit einem Gefühl des Glücks und der Befreiung.

Darüber mehr im zweiten Teil dieses Artikels.

Der rote Faden besteht aus 12 Buchstaben

Gegen die Schwerkraft

Das Leben besteht aus Buchstaben: d-a-s L-e-b-e-n. Manchmal besteht es aus Zeichen: 人生だ。. Diese Elemente geistern durch meinen Kopf, sie formen Gedanken, Bilder, Klänge, Gefühle, purzeln durcheinander, machen Chaos, machen alles sinnlos – aber schon irgendwie lustig.
Nicht alles, was ich denke, ist schlau, manchmal ist es sogar schlichtweg falsch oder eingetrübt oder beeinflusst – und weshalb ich trotzdem immer wieder denke, richtig zu liegen, da liegt die Ursache aller Zweifel.
Aber Freude am Schreiben hatte ich, seitdem ich es konnte. Ich war der einzige in der Klasse, der Schulaufsätze gerne schrieb. Das war es, was ich immer tun wollte. Das war es, was ich immer tat, ungeachtet dessen, was sonst noch so passierte in meinem Leben. Der rote Faden bestand aus Buchstaben, deren Reihenfolge ich verschob, vertauschte, vergaß und verformte.
Mit 16 erschienen von mir arrangierte Buchstabensalate in örtlichen Postillen. Natürlich brachte es nichts ein, als ich mein erstes Buch veröffentlichte. Drei Jahre später.
Ich studierte und warf hin, ich studierte und warf hin, ich studierte und warf hin. Das fanden nicht alle witzig. Ich auch nicht. Immer wurden Kompromisse von mir verlangt. Das Statistikseminar. Lieber Himmel, das wird mein Leben sicher bereichern.
Das Schreiben brachte immer noch nichts ein, ich brauchte ein finanzielles Standbein. Ich ging zu einer Heilpraktikerschule. Die warf mich raus. Ich ging zu einer anderen, die warf mich raus. Ich ging zu einer Dritten, die warf mich raus. Meine Erfahrungen wiederholten sich – nur gespiegelt. Und eigentlich wollte ich das auch gar nicht. Einen Beruf, der erst durch die Nazis zu einem gemacht worden war. Was für ein Karma war das denn?
Am Ende machte ich es trotzdem, autodidaktisch. Wo ein Wille ist, bleiben die Wünsche auf der Strecke. Oder?
Mein roter Faden rollte mir hinterher und holte mich ein. Immer schrieb ich über das, was ich tat. Ich war Pfleger und schrieb über einsame Patienten. Ich war Babysitter und schrieb für Kinder. Ich war Journalist und schrieb für Zeitungen und Zeitschriften.
Dann schrieb ich über Pflanzen und Elixiere. Über ungeborene Babys und deren Mütter. Über seltsame Erscheinungen, die ich trotz aller Unterschiedlichkeit überall auf der Welt antraf.
Ich hatte sogar eine Heilpraxis. Ich brauchte ja etwas, über das ich schreiben konnte. Beides sicherte den Lebensunterhalt nicht. Aber eine Praxis ist teurer als ein Bleistift. Man muss halt Prioritäten setzen. Meine heißt Freiheit.
Ich bin neugierig, welche Worte ich noch finden werde. Als ich las, dass Gurken zu 90% aus Wasser bestehen, trocknete ich eine, um zu sehen, was dann von ihr übrigbleibt. Es gibt Leute, die finden das seltsam.
Ich gehöre dazu.

Nun sind Sie auf meiner Webseite gelandet.
Herzlich willkommen.
Hier finden Sie eine Menge von dem, was ich geschrieben habe. Blütenessenzen, die ich gemacht habe. Musik, die ich produziert habe. Meditationen, die ich eingesprochen habe. Kurse, die ich online gestellt habe. Videos, die ich zu Youtube hochgeladen habe.
Wenn etwas Neues entsteht, erfahren Sie es hier. Wenn Sie mich konsultieren wollen, können Sie es hier. Meine materielle Praxis ist zwar geschlossen, dafür ist meine virtuelle offen.
Ich bin Hypnotherapeut. Ich arbeite mit Pflanzenenergie. Ich habe mich spezialisiert auf Traumabehandlung.
Wenn Sie sich für das interessieren, was bleibt, wenn Sie die ganzen Ichs auf dieser Seite hinwegsehen, hat jemand ein offenes Ohr für Sie, der bereit ist, sein ich nicht so wichtig zu nehmen.
Lassen Sie uns die Buchstaben des Lebens neu anordnen, mal sehen, was daraus wird.